29.09.2020 / Artikel / /

Die Öffnung der CVP ist nötig und die Partei muss neue Wählerinnen und Wähler gewinnen

«CVP: Aufstand der alten Garde», Ausgabe vom 22. September

Die Diskussion um das C im Namen der CVP wird kontrovers geführt. Das ist ja auch gut so. Alle Mitglieder haben ja jetzt, in einer in der Geschichte der Partei erstmaligen Urabstimmung, die Möglichkeit, mitzuentscheiden.

Was mich jedoch etwas erstaunt und ärgert, ist, mit welcher Heftigkeit manche Gegner einer Namensänderung argumentieren. Es handelt sich meistens auch um ehemalige Mandatsträger, die jetzt mit Überzeugung behaupten, man werde mit einem andern Namen die Wahlen verlieren.

Tatsache ist, dass die CVP seit vierzig Jahren die Wahlen verlor. Die Mandatsträger, die während dieser vierzig Jahre aktiv waren, und jetzt die Öffnung der Partei kritisieren, haben es nie geschafft, da- ran etwas zu ändern, als sie die Möglichkeit hatten, es zu tun.

Geht es so weiter, ist auch der einzige Bundesratssitz der CVP in spätestens acht Jahren nicht mehr gerechtfertigt, weil die Partei unter 10 Prozent fällt.

Wenn man es macht wie immer, wie seit vierzig Jahren, erhält man auch die Resultate wie immer. Deshalb braucht es eine Öffnung der CVP. Diese kann in gewissen Kantonen nur dann erfolgreich sein, wenn die Partei neue Wählerinnen und Wähler gewinnt.

Die Stammwählerschaft der CVP wird immer älter, und hat sich seit vierzig Jahren nicht wesentlich erneuert. Wer meint, mit den gleichen Rezepten, die seit vierzig Jahren nicht funktionierten, den Niedergang der CVP aufzuhalten, macht das Gleiche wie jemand, der einfach die Dosis eines unwirksamen Medikaments erhöht, und meint, es wirke dann schon.

Wer will, dass die CVP auch in zehn Jahren eine Bundesratspartei ist, dass die CVP eine Zukunft hat, dass die Partei wieder wächst, und neue Wählerinnen und Wähler gewinnt, für Junge wählbar wird, der muss den vorgeschlagenen Aufbruch unterstützen.

Ich jedenfalls will, dass die CVP wieder Erfolg hat. Deshalb unterstütze ich aus Überzeugung die Öffnung der CVP.

Adriano Imfeld, alt Nationalrat CVP, Sarnen